|
Gärtner
* 27.4.1933 in Dresden, † 23.6.1962 am Nanga Parbat
Im Alter von 12 Jahren tippelte Siegi Löw von einem Dorf bei Dresden 500 Kilometer weit nach Bayern. In Dresden hatte er bei einem Bombenangriff den Vater verloren und war von seiner Mutter getrennt worden; erst Jahre später tauchte seine tot geglaubte Mutter wieder auf.
Nach dreiwöchigem Fußmarsch meldete sich der Knirps völlig ausgehungert und zerlumpt bei der Jugendfürsorge in München. Amtlich bestellte Fürsorgeeltern in Rosenheim nahmen den Jungen auf. Noch im selben Sommer unternahm der Kleine mit dem drei Jahre jüngeren Jörg Lehne erste Bergtouren in den bayerischen Voralpen. Bereits als Siebzehnjähriger konnte Löw bedeutende Dolomitentouren wie die Nordwand der Großen Zinne und die Nordwestwand der Civetta vorweisen. 1954 schlossen sich Löw und Lehne zu einer der leistungsfähigsten deutschen Seilschaften zusammen. Ihre Erfolgskurve kulminierte 1958, als den beiden Rosenheimern gemeinsam mit Lothar Brandler und Dietrich Hasse die Erstbegehung der Epoche machenden Direkten Nordwand der Großen Zinne gelang.
1961 wird Siegi Löw von Herrligkoffer zur Teilnahme an der Expedition zur Diamirflanke des Nanga Parbat eingeladen. Trotz widriger Bedingungen wird eine Höhe von 7150 Metern erreicht, wo der Gipfelversuch am hüfttiefen Neuschnee scheitert.
Im darauf folgenden Jahr sind die Bedingungen günstiger. Am Abend des 21. Juni 1962 liegt Siegi Löw zusammen mit seinen Kameraden Toni Kinshofer, Anderl Mannhardt, Michel Anderl und Manfred Sturm dicht gedrängt in einem winzigen Nylonzelt auf 7400 Meter in der Bazhinmulde unterm Gipfelaufschwung des Nanga Parbat. Den technisch schwierigsten Teil des Aufstiegs haben sie bereits hinter sich. Am nächsten Morgen wollen sie zum Gipfel aufbrechen. Siegi will ihn um jeden Preis erreichen. Obwohl Löw bereits die Füße erfroren hat, übernimmt er am Morgen die mühselige Spurarbeit. Anderl und Sturm entscheiden sich zur Umkehr.
Nach sechzehnstündiger Schinderei stehen Kinshofer, Löw und Mannhardt auf dem Gipfel. Wenig unterhalb wird ein Biwak bezogen. Am nächsten Morgen steigen sie weiter über die Diamirseite ab. Siegi Löw ist am Ende seiner Kräfte und nicht mehr in der Lage, die Konsequenzen seines Handelns zu beurteilen. Mitten im steilen Gelände setzt sich der Erschöpfte in eine Rinne, fährt durch sie ab – und verliert die Kontrolle: Schwer verletzt bleibt Siegi Löw in der Bazhinmulde liegen. Toni Kinshofer harrt bei ihm aus bis der Tod eintritt. |