Jörg Lehne

Schriftsetzer

* 6.5.1936 in Berlin

† 23.7.1969 an den Grandes Jorasses (Walkerpfeiler)

Jörg LehneIn Berlin geboren, wuchs Jörg Lehne in Rosenheim auf, wo er schon als Neunjähriger zusammen mit dem drei Jahre älteren Siegi Löw erste Touren in den Chiemgauer Bergen unternahm.

1954 schlossen sich die beiden zu einer der erfolgreichsten Seilschaften der Ostalpen zusammen. Die Westwand-Direttissima am Predigtstuhl im Wilden Kaiser war der Auftakt ihrer gemeinsamen Touren. Es folgten Grand-Capucin-Ostwand, Dru-Westwand, Noire-Westwand, Tofanapfeiler, die Livanos-Verschendiung an der Cima Su Alto und viele anderen Benchmark-Routen der Epoche. Ihre bedeutendste Felsfahrt war die Erstbegehung der Direkten Nordwand der Großen Zinne im Jahr 1958, arbeitsteilig mit der Seilschaft Lothar Brandler und Dietrich Hasse. 

Als Teilnehmer der Herrligkoffer-Expedition zur Diamirflanke des Nanga Parbat 1961 spielte Jörg Lehne die Schlüsselrolle bei der Überwindung einer Plattenwand im oberen fünften Grat auf knapp 6000 Meter Höhe. Lehne im O-Ton: „…eine recht ansprechende Kletterstelle.“ Aller Tüchtigkeit zum Trotz, blieb damals der Versuch, den Gipfel zu erreichen, auf 7150 Meter Höhe im hüfttiefen Neuschnee stecken.

Nach Stuttgart übergesiedelt, gehörte Jörg Lehne jenem schwäbischen Team an, das zusammen mit einer britisch-amerikanischen Mannschaft im Spätwinter 1966 die Eiger Nordwand erstmals in der Gipfelfalllinie durchstieg. Der „John-Harlin-Climb“ gilt zugleich als Höhepunkt und Abschluss der Direttissima-Ära in den Alpen.

Jörg Lehne fand den Tod durch Steinschlag während eines Einstiegsbiwaks am Walkerpfeiler an den Grandes Jorasses im extrem trockenen und damit eisarmen Sommer 1969; sein Kamerad Karl Golikow überlebte mit schweren Verletzungen.