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Fotograf, Kameramann, Filmemacher, Autor und Farmer
* 21. Februar 1908 in München
† 23. Oktober 2000 in Chiquitania, Bolivien
Hans Ertl machte sich als Bergsteiger, Kameramann, Filmemacher und Autor einen Namen. Im Alter lebte er, weithin vergessen, als Farmer auf seiner Farm Dolorida bei Obispado Conceptión im bolivianischen Tiefland.
Im Jahr 1923 kommt Hans Ertl als Mitglied der rechtslastigen Wehrsportgruppe „Jungbayern“ zum ersten Mal in die Berge und lernt dann das alpine Handwerk im sozialdemokratisch orientierten Alpinen Club Hoch Empor. 1930 durchstieg Ertl zusammen Hans Brehm als Erster die schwierige Königspitze-Nordwand. Im folgenden Jahr gelang ihm gemeinsam mit Franz Schmid die Erstbegehung der Ortler-Nordwand. Die Anreise von München hatten die beiden aus Geldmangel mit dem Fahrrad absolviert. 1932 sammelte er bei Dreharbeiten in Grönland für Arnold Fancks Film „SOS Eisberg“ erste Erfahrungen unter anderem als Kameramann. Bei der Günther Oskar Dyhrenfurth 1934 organisierten „Internationalen Himalaya-Expedition“ drehte Ertl nicht nur den Film „Dämon Himalaya“, sondern führte auch gemeinsam mit Jochen Hocht sowie Hettie und G.O. Dyhrenfurth die erste Besteigung des 7422 Meter hohen Sia Kangri durch, damals der weltweit höchste bestiegene Gipfel.
1936 wirkte Ertl als Hauptkameramann in Leni Riefenstahls „Olympia“-Film und wurde durch seinen Sprung von der Garmischer Skiflugschanze mit laufendem Filmaufnahmegerät deutschlandweit als „entfesselte Kamera“ bekannt. Seine Jugendjahre als streunender Spitzenbergsteiger schilderte Ertl meisterhaft in dem 1937 erschienenen Buch „Bergvagabunden“, das in Deutschland und Österreich bis in die 1960er Jahre begeistert gelesen wurde.
Im Zweiten Weltkrieg war Ertl Kriegsberichterstatter an der Westfront, im Kaukasus und in Afrika. Seine „Dokumentaraufnahmen“ von brutzelnden Eiern auf glühend heißem Panzerblech sind auch heute unvergessen; dass der listige Ertl Hans das Blech von hinten mit dem Schweißbrenner aufheizen ließ, blieb allerdings sein bis ins hohe Alter gehütetes Betriebsgeheimnis. 1950 und 1951 trieb sich Ertl in den Bolivianischen Anden herum, wobei ihm die erste Alleinbesteigung des Illimani-Südgipfels, die Erstbesteigung des Illimani Nordgipfels, die dritte Besteigung des Condoriri und der Haucana über den Nordwestgrat sowie die zweite Besteigung des Illampu glückten.
1953 begleitete Ertl die Herrligkoffer-Expedition zum Nanga Parbat. Wieder daheim, kam es zu einem Rechtsstreit zwischen Ertl und Herrligkoffer über Bildrechtsfragen. Da sich Ertl auch mit einflussreichen Persönlichkeiten des deutschen Alpinestablishments überworfen hatte und im Nachkriegsdeutschland keine Existenzmöglichkeit für sich sah, wanderte er nach Bolivien aus.
Hier drehte er 1958 gemeinsam mit seiner Tochter Monika den Film „Hito Hito“ über einen heute ausgerotteten Indianerstamm. Es war der letzte Film, den er vollendete. Bei einer Südamerika-Durchquerung verlor Ertl sein gesamtes Filmmaterial und zog sich dann – frustriert über die mangelnde Unterstützung aus der Heimat – auf seine Farm im Departamento Santa Crusz de la Sierra zurück: „Lieber in Bolivien Rinder züchten als in Deutschland selber ein Rindvieh sein!“ 1981 besuchte Ertl auf die Initiative Reinhold Messners hin noch mal die Heimat, um an den Feierlichkeiten in Sulden zum 50jährigen Jubiläum der Ortler Nordwand-Erstbegehung teilzunehmen.
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