Anderl Mannhardt

Sägewerker, Holzingenieur und Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer

* 25.10.1939 in Rottach-Egern

Angeregt durch die Lektüre von Bergbüchern, wagte sich Anderl Mannhardt im Alter von 16 Jahren an die ersten Fels- und Eistouren.

1957 schloss er sich mit Toni Kinshofer zu einer Seilschaft zusammen, die 1958 in schwierigen Felsrouten der Nördlichen Kalkalpen, wie der der Maukspitze-Westwand und der Totenkirchl-Westwand erfolgreich war. Im selben Jahr sammelte Mannhardt in der Wiesbachhorn-Nordwestwand erste Erfahrungen im Steileis.

1959 gelangen Mannhardt und Kinshofer eine Winterbegehung der Karlspitze-Direkte-Ostwand, hoch gehandelt Extremkletterein wie die Predigtstuhl-Direttissima und die Aschenbrenner-Lucke-Führe an der Fleischbank, der Tofanapfeiler (14. Beg.), die Direkte Nordwand der Lalidererspitze (19. Beg.) sowie ein „Enchainement“ von Däumlingkante, Rigeleführe am Niederen Großwandeck und Südostkante an der Großen Bischofsmütze im Dachsteingebirge. Auch große Dolomitentouren wie die Vinatzerführe an der Marmolata di Rocca (17. Beg.) und der Südpfeiler an der Marmolata di Penia konnten die beiden 1959 verbuchen. Im folgenden Jahr durchstieg das Team die Ortler-Nordwand (7. Beg.) und war am Bonattipfeiler an der Dru erfolgreich (11. Beg.).

Die erste Winterbegehung der Eiger-Nordwand im März 1961, zusammen mit Toni Hiebeler und Walter Almberger, rückte die beiden Bergsteiger aus dem Tegernseer Tal schlagartig ins internationale Rampenlicht. Einen bleibenden Platz in der Geschichte des Bergsteigens sicherte ihnen dann die Erstbegehung der Diamirflanke am Nanga Parbat. Mit dem Erreichen des Gipfels am 22. Juni 1962 war es erstmals gelungen, einen Achttausender über eine schwierige Wand zu ersteigen und nicht nur auf dem Normalweg. Außerdem waren Toni Kinshofer, Siegi Löw und Anderl Mannhardt die ersten Westdeutschen, denen die Besteigung eines Achttausenders glückte [1]. Die schweren Erfrierungen, die sich Mannhardt beim Gipfelgang zuzog, machten die Amputation aller Zehen sowie beider Vorderfüße und Fersen notwendig. Die verbleibenden Teile seiner Füße sind bis heute hochempfindlich.

Trotz dieser Handicaps absolvierte Mannhardt die Ausbildung zum Staatlich geprüften Berg- und Skiführer. 1963 gelangen ihm zusammen mit Kinshofer die Durchsteigung der Comiciführe in der Nordwand der Großen Zinne sowie eine frühe Begehung der Franzosenführe an der Westlichen Zinne. Die Bewältigung schwieriger Freiklettertouren wie die Südkante des Waxensteiner Turms im Wilden Kaiser (1964), der Andrich-Faé-Führe an der Punta Civetta und der Cassinführe an der Westlichen Zinne (beide 1965) unterstreichen Anderl Mannhardts Bedeutung als Pionier des Behindertenbergsports. Als Bergführer beging er mit Klienten schwierige Routen wie die Fleischbank-Südostwand. Im 59sten Lebensjahr durchstieg er die Nordostwand des Piz Badile und im folgenden Sommer den sehr anspruchsvollen Weg der Freunde in der Civetta-Nordwestwand. Auch heute noch ist Anderl Mannhardt im steilen Hochgebirgsfels zu finden.

1 Der erste Deutsche auf einem Achttausender war der Sachse Peter Diener, einer der Erstbesteiger des Dhaulagiri (1960).